Bramscher Nachrichten vom 1.6.2007Globalisierung, Bau einer Kletterwand, ein Koffer für die letzte Reise und eine Ente fürs Leben: So bunt und vielfältig wie das Leben sind die Facharbeiten der elften Klasse an der Waldorfschule in Evinghausen, die am Samstag zu bewundern sind. Gestern begann die interne Vorstellung der Arbeiten, bei der die Schüler einen Vortrag halten und über die Note für die Gesamtarbeit beraten wird. Am Samstag, 2. Juni, werden die Arbeiten dann von 8.30 bis 20.15 Uhr der Öffentlichkeit präsentiert. Das sollten sich nicht nur die Angehörigen der Schüler vormerken. Denn die Ergebnisse sind bemerkenswert. 
Die letzte Reise interessiert Hanna Steffan „Was würdest Du mit auf Deine letzte Reise nehmen?“ hat zum Beispiel Hanna Steffan gefragt und vielen verschiedenen Menschen aller Altersstufen und unterschiedlicher Berufe einen Koffer zugeschickt. „Keiner hat gesagt, ich mache nicht mit“, freut sie sich. Einige Koffer blieben gleichwohl leer, wie der einer Ordensschwester, die sich sicher war, im Jenseits alles zu haben, was sie braucht. Andere sahen es eher pragmatisch wie bei der Frage nach den Dingen, die man mit auf eine Insel nehmen würde. Ein gutes Buch, eine Flasche Grappa, Fotos, Gegenstände, an die persönliche Erinnerungen geknüpft sind – es findet sich eine nachdenklich stimmende Fülle in den verschiedenen Koffern, die in einem Klassenraum ausgestellt sind, jeweils versehen mit Bildern, Angaben zur Person und zum Koffer. Am meisten habe sie der Koffer einer Schülerin berührt, die Briefe an ihren verstorbenen Bruder mitnehmen wollte, sagt Hanna Steffan, die die Idee von einem Bestattungsunternehmer hatte.
Ein ganz aktuelles Thema hat sich Sarah M. Kaiser ausgesucht: Sie beschäftigt sich mit der Globalisierung und dem anstehenden G-8-Gipfel. „Ich wäre hingefahren, um zu demonstrieren, wenn nicht die öffentliche Vorstellung wäre“, betont sie. Obwohl: „Man kann ja nicht dagegen sein, es passiert ja. Aber man kann es kritisch hinterfragen“. Und das tut sie in ihrer Facharbeit. „Eine Jeans reist um die Welt“, heißt ein Beispiel, das belegt, wie die Produktion eines Alltagsprojektes den Globus umspannt. Mit ihrer Ausstellung, aber auch mit Vorträgen und Aktionen mit ihren Mitschülern informiert sie über weltumspannendes Handeln und die sich daraus ergebenden Gefahren. „Das ist noch nicht abgeschlossen“, will sie beim Thema auch nach der Jahresarbeit bleiben. „Ich bin für vieles jetzt viel aufmerksamer“, hat sie festgestellt. Genau das ist ein Ziel dieser Jahresarbeit: Der Schüler soll sich in der Beschäftigung mit seinem Thema weiter- entwickeln. Das gilt für die eher theoretischen Themen ebenso wie für die handfest praktischen: Aaron Pachl erstellte in Zusammenarbeit mit dem Reiterverein Engter ein Hindernis, Martin Mertes hat ein Schwalbe-Motorrad komplett restauriert. 
Die unvollendete Ente präsentierte Kim Pfeifer. Der Bastler ist aber zuversichtlich, noch mit dem Schätzchen zur Schule zu fahren. Noch mehr hat sich Kim Pfeiffer vorgenommen: Er wollte die uralte Ente AK400 seines Vaters wieder instand setzen, musste aber mehr Arbeit investieren als gedacht. So präsentiert er das gute Stück jetzt halbfertig, etwa „30 Stunden Karosseriebau“ fehlten noch, schätzt er. Dafür ist er um eine wichtige Erfahrung fürs spätere Berufsleben reicher: Kfz-Mechatroniker wäre nichts für ihn, „die tauschen ja nur Teile aus“, meint er. Restaurateur ist nun der Berufswunsch. Damit dieser Ente noch viele andere Wagen im neuen Glanz folgen können. |