Waldorfschüler spielen Molières "Der Geizige" Bramscher Nachrichten vom 21. September 2007 "Wo kämen wir denn hin, wenn alle durcheinanderlieben?" Für diesen Satz, den Molière dereinst in seiner Komödie "Der Geizige" einem Protagonisten in den Mund geschrieben hat, gibt es für das kommende Wochenende nur eine einzige Antwort: in die Freie Waldorfschule Evinghausen. Dort nämlich erwartet das Publikum am Freitag, Samstag und am Sonntag eine Theateraufführung der 12. Klasse, für die das Prädikat "Komödie mit reichlich Extra-Originalität" angemessen ist.
In nur dreieinhalb Wochen Probenzeit brachten die Waldorfschülerinnen und -schüler ein Stück auf die Bühne, das bereits wegen seines Inhaltes einen kurzweiligen Abend verspricht. Monsieur Harpagons Geiz und sein stetes Verlangen nach weiterer Vermögensvermehrung macht auch vor den Herzensangelegenheiten seiner Kinder nicht halt. Seine Tochter soll deshalb wider Willen einen reichen Kaufmann aus Neapel heiraten. Er selbst gedenkt Marianne, ein zwar vermögensloses aber dafür umso jüngeres Mädchen, zu ehelichen, nicht ahnend, dass sein Sohn Cléante bereits um Marianne wirbt. Als dies herauskommt und Harpagon noch zusätzlich sein gesamtes Bargeld durch Diebstahl verliert, ist das Chaos perfekt. Allein das schon wäre alles in allem reichlich Stoff für ein grandioses Spiel mit großen Gefühlen und einem glücklichen Ende gewesen. Nun stellt sich aber bei den Klassenspielen an der Waldorfschule ständig das Problem, dass die großen Dramatiker den Frauenrollen selten einen besonderen Rang beimessen. Um dem beizukommen, entschloss man sich diesmal, das Stück mit einer zweiten Besetzung aufzuführen, und zwar bei umgekehrter Rollenverteilung. So wird aus dem Geizigen am Samstag "Die Geizige", gespielt von Theresa Heye-Enneking, und etliche männliche Akteure finden sich in im Original eher memmenhaft angelegten Frauenrollen wieder. Sämtliche Vorstellungen werden zusätzlich durch gesangseinlagen gewürzt. Der Wunsch, ein Werk mit Gesang auf die Bühne zu bringen, wurde trotz der Entscheidung für Molière umgesetzt. Musikalische Showeinlagen in Jazz-, Pop- und Kabarettmanier rund um das Thema Geld und Geiz ließen eine Aufführung zustande kommen, die bereits bei ihren nicht öffentlichen Generalproben stehenden Beifall erhielt. Öffentliche Vorstellungen in der Ickerlandstraße 16 sind am Freitag, 21., und Samstag, 22. September, jeweils um 20 Uhr. Die Sonntagsaufführung beginnt bereits um 17 Uhr. |