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Das Kind in geänderter Zeitlage |
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Vortrag zum zehnjährigen Bestehen des Waldorf-Kindergartens "Auf dem Vogelbaum"Bramscher Nachrichten vom 25. Juni 2007Zehn Jahre Kindergarten "Auf dem Vogelbaum" waren der Anlass, sich am Freitag bei einem Vortrag mit dem Thema "Das Kind in geänderter Zeitlage" zu beschäftigen. Uwe Dietrich vom Waldorfkindergartenseminar in Hannover warf einen Blick auf die aktuelle Zeitsituation, in die Kinder hineingeboren werden. Im Laufe der Jahre ist der moderne Mensch zu einem Weltbild gelangt, das menschliches Leben als Resultat aus dem Zusammenwirken zwischen Chemie und Mechanik begreift. Der freie menschliche Wille wird immer mehr für eine Illusion gehalten.
Eine weitere Entwicklung ist die Vermenschlichung der Maschine. Kreative Denkprozesse wie das Schachspiel werden zwischenzeitlich von Computern effizienter ausgeführt als dem Menschen möglich. Nach Ansicht des Referenten stehen wir damit vor der Frage, ob wir den Menschen zur Maschine erziehen wollen. Oder gelingt es, für die Kinder die Möglichkeit offen zu halten, sich zu einem Individuum zu entwickeln, das seine Einzigartigkeit offenbaren kann? Die Antwort ist deshalb von entscheidender Bedeutung, weil man inzwischen aus der neurologischen Forschung weiß, dass sich das Kind bis in seine Organ- und Gehirnstrukturen hinein seiner Umwelt anpasst. Sogenannte Wolfskinder - also Kinder, von denen angenommen wird, dass sie von Wölfen großgezogen wurden - seien ein Beispiel dafür, wie bildungsoffen Kinder sind. Ihr Gehirn ist bei der Geburt lediglich grob strukturiert. In den ersten sieben Lebensjahren wird diese Grobstruktur aufgrund der Umwelteindrücke in eine Form gebracht, die lebenslang mit all ihren Auswirkungen im Wesentlichen festgeschrieben bleibt. Nimmt man dann die Erkenntnis ernst, dass etwa der Medienkonsum Regionen im Gehirn bei ihrer Entwicklung vernachlässigt, die für Spracherwerb und abstraktes Denken zuständig sind, wird deutlich, wie sehr wir uns in einem Zeitalter befinden, in dem diesen Folgen gegengesteuert werden muss. Denn die Umweltgegebenheiten prägen bei den Kindern nicht nur die "Software", sprich das innere Erleben. Auch die "Hardware", also Organe und Gehirnstrukturen, sind allen Vorbildern aus der Umgebung gerade im Vor- und Grundschulalter in empfindlicher Weise ausgeliefert und so auf dem Weg, nachteilig verändert zu werden. Bewegungsstörungen und sprachliche Defizite nehmen zu. Immer mehr Kinder reagieren auf ihre Umwelt mit Hyperaktivität oder Depression. |